EIN MENTORENSYSTEM TÄTE ABER AUCH MÄNNERN GUT
Interview mit Anette Schieferstein-Christof, Mentee. Jahrgang 1968.
Frau Schieferstein-Christof war mit Frau Christa Schütze im <S.E.T.> Tandem. Sie hat als Maschinenbauingenieurin den Familienbetrieb "Schieferstein Maschinen" übernommen.
- Ausbildung zum Betriebsschlosser, Buderus-Lollar
- Fachoberschule, Theodor-Litt-Schule Gießen
- Fachhochschule Gießen-Friedberg mit Abschluss als Dipl.-Ingenieurin Fachrichtung allg. Maschinenbau
- Sachbearbeiterin in der Qualitätsicherung , BMW Rolls-Royce Oberursel
- Sachbearbeiterin in der technischen Planung, BMW Rolls-Royce Oberursel
- Angestellte im elterlichen Maschinenbau-Betrieb, Schieferstein-Maschinenbau
- Übernahme des elterlichen Betriebes 1998
Wie haben Sie von dem S.E.T.- Projekt erfahren?
Durch Zufall. Ich hatte mich an ein Seminar von Frau Schütze (meine spätere Mentorin) erinnert und sie wegen eines Beratungsgespräches angerufen. Da ich zu dem Zeitpunkt geringe finanzielle Mittel für diese Beratung zur Verfügung hatte, Frau Schütze jedoch mit ihrer damaligen Mentee nur wenig ausgelastet war, bat mir Frau Schütze eine Zusammenarbeit auf Basis des Mentorinnensystems an.
Was war für Sie persönlich Ausschlag gebend für die Teilnahme am Projekt?
Konkreter Beratungsbedarf in Mitarbeiterführungs-Fragen – passendes Angebot durch das Metorinnensystem
Was sind Ihrer Meinung nach die wesentlichen Charakteristika des Mentoring-Prozesses?
Möglichkeit des konkreten Erfahrungsaustausches ohne allgemeines „Rundum“, welches vielleicht bei teuren Seminaren angeboten wird. Man kann gezielt auf Schwerpunktthemen eingehen und gemeinsam, eventuell sogar unter Inanspruchnahme von weiteren Mentorinnen einen gezielten Plan erstellen, um sein spezifisches Problem zu lösen
Konnten Sie von diesem Projekt profitieren?
Oh ja. Der Erfolg hing allerdings sehr von der passenden Mentorin ab. Frau Schütze hat mir sehr geholfen, die Augen für zwischenmenschliche Strukturen zu öffnen.
Was war ihr Ziel für dieses Jahr? Haben Sie es erreicht?
Mein Mentoring fand im Jahre 2001 statt. So gesehen habe ich mein Ziel im Bezug auf das Mentoring-Thema seit bereits 3 Jahren erreicht, auch dieses Jahr wieder. Die Menschen in meinem Betrieb haben teilweise gewechselt, das Klima ist gleichbleibend gut. Es finden Gespräche statt, die trotz des familiären Betriebsklimas sachlich korrekt ablaufen. Es wird gesagt, was gesagt werden muß, in einem Ton, den jeder akzeptieren kann, so dass die Motivation der Mitarbeiter erhalten bleibt.
Ein besonderes Ereignis, ein bestimmter Tag, eine Geschichte - etwas, was Ihnen im Gedächtnis nach dem zwölfmonatigen Programm bleibt?
Ein Gespräch zwischen meinem Meister und mir, auf einer 4-stündigen Fahrt zur Hannover-Messe. Wir haben uns unsere Standpunkte, unsere Arbeitssituation gegenseitig vermittelt, Missverständnisse ausgeräumt, gegenseitige Achtung ausgesprochen, Kompetenzen geklärt und Informationsfluss versprochen (und später auch gehalten) - eine Klärung der gesamten, bis dahin etwas verworrenen Situation.
Dieses Gespräch war ausschlaggebend für alle weiteren positiven Gespräche mit Meister, Techniker und gewerblichen Mitarbeitern.
Könnten Sie sich vorstellen Mentorin zu werden?
Ja.
Haben Sie immer noch Kontakt zu Ihrer Mentorin?
Selten, aber herzlich.
Was haben Sie an Ihrer Mentorin besonders geschätzt?
Natürlich das Fachwissen, aber auch die nette Art, mir Kritik zu vermitteln. Die Chemie hat gestimmt.
War Ihnen <S.E.T.> nicht zu frauenspezifisch? Wie haben Sie es empfunden an einem "reinen Frauen-Programm" teil zu nehmen?
Da ich in einem Männerberuf tätig bin, sind mir "frauenspezifische" Unterstützungen ohnehin ein wenig fremd. Es lässt sich jedoch auch nicht bestreiten, dass, gerade auch in Führungsaufgaben, die weiblich-männlichen Strukturen eine Rolle spielen. Ich wehre mich gegen die Gleichstellung, da es zu viele Unterschiede zwischen Mann und Frau gibt. Ein Mentorensystem täte aber auch Männern gut, denn die haben ja schließlich, zumindest in Teilbereichen, die gleichen Probleme beim Beginn einer Selbstständigkeit.
(Vielleicht geben sie’s nicht zu, oder nutzen das Stammtisch-Mentorensystem intensiver als die Frauen.)
Was hebt sich im Mentoring-Prozess von anderen Qualifizierungsmaßnahmen hervor?
Die gezielte Erarbeitung von Problemlösungen.
Was wünschen Sie Ihrer Mentorin für die Zukunft?
Ruhe und Gelassenheit, gute Aufträge, ein fröhliches Herz, Glück und alles was man so braucht, für ein glückliches und leichtes Leben.
Was wünschen Sie <S.E.T.>?
Viele interessierte Mentees, engagierte Mentorinnen, Ausweitung des Systems.
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